1. Vorwort Bundesministerin Leonore Gewessler 2. Hintergrund zum Konsultationsprozess 3. Ziele der Konsultation 5. Ihre Kommentare Links

Öffentliche Konsultation

Danksagung von Bundesministerin Leonore Gewessler

Vorwort der Frau Bundesministerin Leonore Gewessler, Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie

Sehr geehrte Damen und Herren!
Sehr geehrte Expert*innen!

Ich bedanke mich für die vielen, konstruktiven Kommentare zur öffentlichen Konsultation zum Expert*innen-Papier zu möglichen Elementen einer Biodiversitäts-Strategie 2030 für Österreich! Besonders freut es mich auch, dass der Prozess „Biodiversitätsdialog 2030“ in vielen Stellungnahmen als innovativer und vorbildlicher partizipativer Prozess generell unterstützt wurde.

Konkret haben wir über 2.200 Einzelkommentare zu den möglichen Elementen für Ziele und Maßnahmen erhalten. Hinzu kommen 882 ausgefüllte Fragebögen.

Die große Beteiligung am Biodiversitätsdialog2030 sehe ich als eindeutiges Zeichen dafür, dass der Erhalt der Biodiversität in Österreich vielen Menschen ein sehr großes Anliegen ist.

Wie geht es nun weiter?

Die Expert*innen meines Ressorts werden in den nächsten Wochen gemeinsam mit dem Umweltbundesamt die zahlreichen abgegebenen Kommentare auswerten und darauf aufbauend, einen ersten Entwurf einer österreichischen Biodiversitätsstrategie 2030 erarbeiten.

Die Nationale Biodiversitäts-Kommission wird diesen Entwurf diskutieren und abstimmen mit dem Ziel eine Empfehlung für eine neue Strategie abzugeben. In der Nationalen Biodiversitäts-Kommission sind zuständige und betroffene Akteure sowie Stakeholder aus allen für die Biodiversität relevanten Bereichen und Sektoren vertreten.

Wir werden Sie auf www.biodiversitätsdialog2030.at über die weiteren Schritte am Laufenden halten.

Nochmals vielen herzlichen Dank für Ihr großes Engagement für unsere Natur!

Herzlichst Ihre
Leonore Gewessler

Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie

2. Hintergrund zum Konsultationsprozess

2019 wurde vom BMK gemeinsam mit dem Umweltbundesamt ein partizipativer Prozess zur Entwicklung einer Biodiversitäts-Strategie Österreich 2030 gestartet– der Biodiversitätsdialog 2030.
Ein wichtiger Meilenstein in diesem Prozess ist die Durchführung einer öffentlichen Konsultation zu möglichen Elementen der Biodiversitäts-Strategie Österreich 2030.

Die für die öffentliche Konsultation vorbereitete Unterlage wurde auf Basis der Beiträge von Expert*innen bei den 2019 durchgeführten Workshops sowie insbesondere den Vorgaben der EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 entwickelt.

Der auf die Konsultation folgende nächste Schritt ist die Erarbeitung eines ersten Entwurfs der neuen österreichischen Biodiversitäts-Strategie.
Dieser Entwurf wird auch Angaben zu den Akteuren sowie zur Überprüfung der Umsetzung der Strategie beinhalten.
Die Umsetzung der Strategie ist jedenfalls eine gemeinsame Aufgabe aller zuständigen Akteure.
Die Abstimmung des Strategieentwurfs mit den betroffenen Akteuren und Stakeholdern erfolgt in der Nationalen Biodiversitäts-Kommission.

3. Ziele der Konsultation
  • Das Thema Biodiversität und die damit verbundenen Herausforderungen in die breite Öffentlichkeit bringen:
    Es soll das Bewusstsein dazu geschaffen und gestärkt werden. Die Konsultation ist eine Gelegenheit, sich aktiv im Prozess zur Entwicklung der Biodiversitäts-Strategie 2030 für Österreich einzubringen.
  • Den Teilnehmenden der Expert*innen-Workshops nochmals Gelegenheit zu geben, sich zu den Vorschlägen zu äußern.
  • Das Meinungsbild aller zuständigen Akteure und Stakeholder im Bereich Biodiversität einzufangen als wesentlicher Ausgangspunkt für die Entwicklung des ersten Entwurfs der Biodiversitäts-Strategie 2030.

4. Konsultationsunterlage: „Mögliche Elemente einer Biodiversitäts-Strategie Österreich 2030 - (Expert*innenpapier basierend auf den Biodiversitätsdialogen 2030)

Sie können hier die Konsultationsunterlage als pdf herunterladen.

Download der Konsultationsunterlage

I. Einleitung/Beschreibung der Ausgangssituation
Erhalt und nachhaltige Nutzung [1] der biologischen Vielfalt – Es besteht Handlungsbedarf

Wir Menschen sind auf intakte Ökosysteme angewiesen. Sie sind der Schlüssel für unsere körperliche und geistige Gesundheit, essentiell für den Klimaschutz, liefern uns Grundlagen für Medikamente und sind wichtig als Erholungsraum sowie als Anziehungspunkt für den Tourismus. Intakte Ökosysteme liefern Grundlagen für die Wirtschaft und sind Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung.

Die COVID-19-Pandemie macht die Zusammenhänge zwischen unserer Gesundheit, intakter Natur und Klimaschutz für uns alle deutlich: In den vergangenen Monaten war sowohl ein steigender Bedarf an gesunden Lebensmitteln und regionalen Produkten, als auch eine gesteigerte Wertschätzung der Natur als wichtiger Erholungs- und Aufenthaltsraum deutlich spürbar. Biologische Vielfalt und Gesundheit hängen eng zusammen. Die Pandemie hat gezeigt, wie sich Eingriffe der Menschen in intakte Ökosysteme auf uns alle auswirken können. Der Schutz und der Erhalt einer intakten und vielfältigen Natur ist daher auch der beste Schutz für uns selbst.

Biodiversitätsverlust und Klimawandel gehören zu den größten gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen unserer Zeit und sind in vielerlei Hinsicht miteinander verknüpft. Unsere Gesundheit und unser Wohlergehen hängen davon ab. Biodiversität braucht eine starke, engagierte Klimapolitik. Die Erreichung der Klimaziele wird ohne intakte, vitale, resiliente und vielfältige Natur nicht möglich sein.

Als Mitglied der Europäischen Union sowie Vertragspartei des Übereinkommens über die biologische Vielfalt hat Österreich auch eine Verantwortung für den Erhalt der globalen  Biodiversität.

Status und Trends der Biodiversität – national/EU/global

Die Situation zur biologischen Vielfalt in Österreich ist mit jener in Europa sowie auch den globalen Entwicklungen vergleichbar. Trotz vieler Bemühungen im Natur- und Artenschutz und Erfolgen in einzelnen Bereichen konnten weitere Verluste der Biodiversität nicht gestoppt werden. Laut österreichischem Artikel-17-Bericht 2019 zur Umsetzung der EU Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie sind 18 % der Lebensraumtypen und 14 % der Arten in einem günstigen Erhaltungszustand. Im Gegensatz dazu weisen 44 % der Lebensraumtypen und 34 % der Art-Bewertungen einen ungünstig-schlechten Erhaltungszustand auf [2]. Weitere Informationen über biologische Vielfalt in Österreich finden Sie beispielsweise im Umweltkontrollbericht [3] sowie auf der Homepage der Europäischen Umweltagentur [4].

Treiber/Ursachen der Biodiversitätsverluste – national/EU/global>

Kenntnis der Ursachen, Ursachenkomplexe und Treiber der Biodiversitätsverluste ist Voraussetzung für wirksamen Biodiversitätsschutz. Der Weltbiodiversitätsrat [5] (IPBES) identifiziert fünf Hauptgründe für den globalen Verlust der biologischen Vielfalt: Veränderte Land- und Meeresnutzung, direkte Ressourcenentnahme, Klimawandel, Schadstoffeinträge und gebietsfremde „invasive“ Arten. Diese fünf Hauptgründe wurden von IPBES auch für den Biodiversitätsverlust in Westeuropa identifiziert [6]. Für Österreich wurden in einer Untersuchung des Umweltbundesamtes hydrologische Veränderungen, Landwirtschaft (z. B. Nutzungsaufgabe und -intensivierung) und Forstwirtschaft (z. B. Totholzentnahme) als Hauptursachen genannt [7].

Internationale, EU und nationale Vorgaben

Als Mitglied der Europäischen Union sowie Vertragspartei internationaler Übereinkommen hat Österreich EU-Vorgaben sowie internationale Beschlüsse im Bereich der Biodiversität umzusetzen.  Dazu zählen insbesondere das Übereinkommen über die biologische Vielfalt und die neuen  globalen post-2020 Biodiversitäts-Ziele, die Alpenkonvention und ihre Protokolle, die EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 [8] sowie weitere EU-Vorgaben und Initiativen des Europäischen Grünen Deals. Ebenso sind das Regierungsprogramm Österreich 2020-2024 [9] sowie zahlreiche nationale Strategien (z. B. Klima- und Energie-Strategie, Bioökonomie-Strategie, Masterplan Tourismus) für die Biodiversitäts-Strategie Österreich 2030 von großer Bedeutung.

II. Vision Biodiversität Österreich 2050

Der Strategie wird eine längerfristige Perspektive in Form der Vision für Österreich 2050 vorangestellt [10] .
Diese wird im Zuge eines Wettbewerbs entwickelt werden.

III. Ziele für 2030 für den Erhalt der Biodiversität in Österreich

Für das gesamte Bundesgebiet werden folgende Ziele für 2030 vorgeschlagen:
  1. Mindestens 30 % der Landesfläche stehen unter Schutz, Schutzgebiets-Netzwerk ist repräsentativ und ökologisch gut vernetzt [11]
  2. Mindestens 10 % der Landesfläche (d. h. ein Drittel der geschützten Gebiete) stehen unter strengem Schutz [12]
  3. Alle prioritär eingestuften, degradierten Ökosysteme sind wieder hergestellt [13]
  4. Reduktion der täglichen Flächeninanspruchnahme auf weniger als 2,5 Hektar
  5. Biodiversitätsschädigende Anreize und Subventionen sind abgebaut

Folgende Ziele sollen analog für jeden der Lebensräume Siedlungsgebiete, Agrarlandschaften, Wälder, Gewässer und Feuchtlebensräume, Gebirgslandschaften und Sonderstandorte [14] gelten:
  1. Alle EU-Schutzgüter (Vogelschutz- und FFH-Richtlinie) des Lebensraums, die in günstigem Erhaltungszustand sind, bleiben in diesem Zustand erhalten; mindestens 30 % der Schutzgüter des Lebensraums, die derzeit keinen günstigen Erhaltungszustand aufweisen, sind 2030 in dieser Kategorie oder weisen einen stark positiven Trend auf [15]
  2. Status von 30 % der gefährdeten Biotoptypen [16] und 30 % der gefährdeten Rote Liste Arten [17] jedes Lebensraums ist verbessert [18]
  3. Die genetische Vielfalt ist erhalten oder signifikant verbessert

  1. Städte und Gemeinden kennen und fördern die in ihren Gebieten vorkommenden Rote Liste Arten, insbesondere der Tiergruppen Tagfalter, Heuschrecken, Wildbienen, Vögel, Fledermäuse und Gefäßpflanzen sowie die vorkommenden gefährdeten Biotoptypen (zumindest auf öffentlichen Flächen)
  2. Mindestens 60 % Grüne Infrastruktur [19] in jeder Stadt und Gemeinde
  3. Mindestens 80 % naturnahe Gestaltung öffentlicher Grünflächen
  4. Schaffung und dauerhafte Sicherung der Biotopvernetzung durch Ausweisung von Lebensraumkorridoren im Flächenwidmungsplan

  1. Farmland Bird Index [20]liegt mindestens bei 80 [21]
  2. Schutz der Bestäuber: Günstiger Erhaltungszustand aller FFH-Lebensraumtypen, die für Bestäuber von besonderer Bedeutung sind
  3. Mindestens 10 % der landwirtschaftlichen Fläche in jedem landwirtschaftlichen Betrieb mit biodiversitätsreichen Landschaftselementen, wie Pufferzonen, Brachflächen, Hecken, Einzelbäumen, Trockenmauern oder Teichen [22]
  4. Mindestens 80 % naturnahe Gestaltung öffentlicher Grünflächen
  5. Beibehaltung bzw. Erhöhung des bestehenden Anteils (ca. 26%) an Agrarflächen [23] mit biologischer Landwirtschaft
  6. Erhöhung der Vielfalt der genutzten Pflanzensorten und Nutztierrassen
  7. Mindestens 50 % Verringerung des Einsatzes von und des Risikos durch chemische Pestizide [24]
  8. Mindestens 20 % Verringerung des Einsatzes von Düngemitteln [25] bei Aufrechterhaltung der Bodenfruchtbarkeit

  1. Zunahme der jährlichen C-Speicherung im Wald über den Durchschnitt der letzten ÖWI-Periode hinausgehend
  2. Woodland Bird Index mindestens bei 100, d. h. dem Ausgangswert aus dem Jahr 1998
  3. Strengst möglicher Schutz aller Primärwälder (Urwälder) und sekundärer Wälder mit urwaldähnlichen Strukturen
  4. 10 % der österreichischen Waldfläche außer Nutzung (z. B. als Wildnisgebiet)
  5. Schutz strukturreicher Altbaumbestände mit naturnaher Baumartenzusammensetzung
  6. Funktionelles Netzwerk aus Alt- und Totholzinseln samt Verbindungskorridoren auf 5 % der Waldfläche 
  7. Mindestens 10 % (Vfm) Totholzanteil stehend oder liegend in allen Wäldern [26] 
  8. 50 % Zunahme der Gesamtfläche der Naturwaldreservate (NWR)  [27] ; alle Waldgesellschaften ausreichend repräsentiert
  9. Aufforstungen enthalten maximal 25 % standortfremde oder nicht heimische Baumarten

  1. Guter Zustand bzw. gutes ökologisches Potential aller Gewässer gemäß Wasserrahmenrichtlinie bis 2027
  2. Schutz ökologisch bzw. hydromorphologisch intakter Gewässer und an Gewässern liegenden Auen
  3. Renaturierung gestörter Systeme (Wiederherstellung ihrer natürlichen Dynamik sowie eines auentypischen Wasser- und Feststoffhaushaltes)
  4. Verbesserung und Sicherstellung der ökologischen Längs- und Quervernetzung der Gewässer (inklusive Auenverbund), sowie mit den Auen in ökologischer Beziehung stehende Lebensräume
  5. Zusätzliche freie Fließstrecken in Flüssen – gesamt 25.000 km in der EU (nicht in Betrieb befindliche Barrieren sind vollständig beseitigt, Überschwemmungsflächen sind wiederhergestellt)
  6. Zumindest 5 m breiter, dauerhaft begrünter Uferstreifen beidseits der Böschungskante bei allen Fließgewässern
  7. Renaturierung 30 % degradierter Moorstandorte
  8. Ex-lege-Lebensraumschutz aller Moore in Österreich [28]

  1. Almlebensräume erhalten und extensiv bewirtschaften  [29]
  2. Schutz aller noch unerschlossenen Räume im Hochgebirge als Ruhegebiete   [30][31]

  1. Sonderstandorte stehen unter dauerhaftem Schutz
  2. 10 m Puffer um die Biotopgrenze der Sonderstandorte ist eingerichtet und von jeglicher Bewirtschaftung ausgenommen bzw. wird so genutzt, dass ihre Eigenart erhalten bleibt

IV. Maßnahmen zur Erreichung der 2030 Ziele

Für folgende Sektoren / Politikbereiche werden konkrete Maßnahmen in der Biodiversitäts-Strategie 2030 vorgeschlagen:

  • Raumordnung
  • Landwirtschaft
  • Forstwirtschaft
  • Jagd
  • Wasserwirtschaft und Fischerei
  • Tourismus und Freizeitnutzung
  • Industrie, Gewerbe, Handel und Konsum
  • Rohstoffgewinnung
  • Verkehr und Mobilität
  • Energie
  • Gebietsfremde Arten
  • Schutz der Biodiversität
  • Klimaschutz und Biodiversität
  • Gesundheit und Biodiversität
  • Internationale Zusammenarbeit, inklusive Entwicklungszusammenarbeit

  • Entwicklung und Umsetzung eines bundesländerübergreifenden Raumplanungskonzepts mit Berücksichtigung von Biodiversitätsaspekten und verpflichtender Ausweisung von ökologischen Funktionen (grüne Infrastruktur, Biotop-Vernetzungssystem)
  • Erarbeitung und Umsetzung einer österreichweiten Bodenschutzstrategie für sparsamen Flächenverbrauch unter Berücksichtigung von Biodiversitätsaspekten
  • Verankerung von Biodiversitäts- und Klimaschutz in der Raumordnung und Raumplanung
  • Verringerung der Zerschneidungswirkung linearer Infrastrukturen durch Querungshilfen und Freihaltung von Korridoren
  • Restriktion der Baulandwidmung: Bei einer Baulandreserve über 20 % keine Neuwidmung von Bauland auf Gemeindeebene, bei einer Baulandreserve zwischen 10–20 % keine netto Neuwidmung von Bauland auf Gemeindeebene
  • Implementierung einer regionalen Zonierung von Freiflächen und Lebensraumkorridoren im Flächenwidmungsplan und regionalen/überregionalen Entwicklungskonzepten als integrativer Bestandteil der Raumplanung (Vernetzungskorridore, grünes Fußwegenetz, Ortskernstärkung)
  • Entwicklung von „Urban Greening“ -Plänen in Städten mit zumindest 20.000 Einwohnern*innen [32]
  • Erhalt und biodiversitätsgerechtes Management aller öffentlichen Flächen im städtischen und ländlichen Raum, Verzicht auf Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf öffentlichen Grünflächen [33]
  • Ausbau von Retentionsräumen (Hochwasserschutz)
  • Erstellung eines öffentlichen Ausgleichsflächeninventars („Flächenpool“) – Evaluierung der Flächen über die Zeit (Qualitätssicherung)
  • Erstellung eines österreichweit verfügbaren Verzeichnisses von Baulandreserven sowie eines „österreichischen Leerstandskatasters” [34] als Grundlage für eine biodiversitätsschonende Flächeninanspruchnahme
  • Förderung von Austausch und Abstimmung zwischen Naturschutz, Raumordnung und Landnutzern (gesamtökologische Raumplanung, integrativer Biodiversitätsschutz)
  • Förderung von bewusstseinsbildenden Maßnahmen für die Raumplanung zu Bodenverbrauch, Biotopschutz, Artenschutz an Gebäuden, gebietsfremden Arten, Vogelschlag etc.

  • Unterstützung der Betriebe bei der Errichtung, Gestaltung und Erhaltung von biodiversitätsfördernden Landschaftselementen, wie Brachen, Hecken, Einzelbäumen, Trockenmauern oder Teichen[35]
  • Ausbau von biodiversitätsorientierten Beratungsleistungen zur Förderung des verstärkten Verständnisses der landwirtschaftlichen Betriebe für Biodiversitätsanliegen
  • Umsetzung der erforderlichen Schutzmaßnahmen für FFH-Schutzgüter [36] in Zusammenarbeit mit den Stakeholdern der relevanten Sektoren
  • Sicherung und entsprechendes Management jener Lebensraumtypen der Agrarlandschaften, die für Bestäuber von besonderer Bedeutung sind [37]
  • Ausbau des Biolandbaus und deutliche Erhöhung der biodiversitätsfördernden Praktiken im Bereich Boden und Vegetation[38]
  • Reduktion der landwirtschaftlichen Stickstoffemissionen[39]
  • Unterstützung der Betriebe bei der Reduktion des Einsatzes chemischer Pestizide
  • Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen zum Erhalt und Nutzung einer Vielfalt an Pflanzensorten- und Nutztierrassen, inkl. lokalem Saatgut, alten Obstbaumsorten und traditionellen Tierrassen
  • Ausreichende (finanzielle) Förderung der extensiven Grünlandwirtschaft auch unterhalb der Almstufe (besonders hochmontane und subalpine Mähwiesen)
  • Humusaufbau, mit dem Ziel Bodenfruchtbarkeit und -stabilität zu fördern und die C-Speicherung weiter zu steigern

  • Ausweisung und Sicherung aller Primärwälder und sekundärer Wälder mit urwaldähnlichen Strukturen mit strengen Schutzauflagen
  • Ausweisung von weiteren Wildnisgebieten [40] nach den Kriterien der Weltnaturschutzorganisation IUCN
  • Ausbau der Naturwaldreservate und Bereitstellung der notwendigen Ressourcen [41]
  • Entwicklung und Umsetzung konkreter Managementpläne zur qualitativen Verbesserung der Waldschutzgebiete
  • Förderung des verstärkten Verständnisses der forstwirtschaftlichen Betriebe für Biodiversitätsanliegen (Veteranenbäume, Naturwaldzellen, Natura 2000) durch persönliche Beratung/Gesprächen mit Biodiversitätsexpert*innen und Forstwirtschafter*innen
  • Regelmäßige Erhebung des Woodland Bird Index und Weiterentwicklung der Methodik
  • Etablierung einer naturnahen Waldbewirtschaftung orientiert an einer dynamischen Waldtypisierung unter Berücksichtigung des Klimawandels [42], auch mit dem Ziel die C-Speicherung weiter zu steigern
  • Nachhaltige Sicherung der Struktur und Diversität gefährdeter Waldhabitat-Typen sowie der FFH-Habitattypen und -Arten
  • Ausbau der Waldumweltmaßnahmen der Ländlichen Entwicklung auch mit dem Ziel die C-Speicherung weiter zu steigern
  • Erhaltung und Verbesserung der Quantität, Qualität und Widerstandsfähigkeit der bestehenden Wälder in Hinblick auf Brände, Dürren, Schädlinge, Krankheiten und andere Bedrohungen durch den Klimawandel, auch mit dem Ziel die C-Speicherung weiter zu steigern
  • Überprüfung der Möglichkeiten einer gesetzlichen Entlassung der Waldbesitzer aus der Haftungspflicht, wenn Schäden durch naturnahe Bewirtschaftung verursacht wurden
  • Aufforstungen von Flächen über 0,1 Hektar mit zumindest drei Baumarten - jede Art mit einem Anteil von zumindest 20 % und Durchführung von Pflegemaßnahmen damit alle drei Arten 15 Jahre später noch im Bestand zu finden sind
  • Ab 2025 Aufforstungen in Lagen < 500 m Seehöhe nicht mehr als 25 % Fichten
  • Zweckmäßige Planung der Aufforstungen zur Unterstützung der Entwicklung abwechslungsreicher Waldökosysteme
  • Naturnahe Bewirtschaftung der Bergwälder inklusive sinnvoller Beschränkung des Forststraßenbaus
  • Öffentliche Förderung des Forststraßenbaus nur wenn keine negative Auswirkung auf die Waldbiodiversität, keine Bodenzerstörung, kein Flächenverlust für Kohlenstoffspeicherung und keine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes[43]
  • Bevorzugung einheimischer Baumarten bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel
  • Fortführung nationaler Dialoge in der Land- und Forstwirtschaft, insbesondere zur Umsetzung von EU-Vorgaben, z. B. Saatgut-Dialog, Österreichischer Walddialog oder Natura 2000-Plattform [44] 

  • Anpassung der Wildbestände an die naturräumlichen Verhältnisse unter Berücksichtigung von natürlichen (z. B. jahreszeitlichen) Bestandsschwankungen (inklusive Evaluierung des Wildverbisses) – damit Naturverjüngung standortgerechter Baumarten möglich ist
  • Förderung und Umsetzung von gezieltem Konfliktmanagement zur Erhöhung der Akzeptanz gegenüber natürlichen Prozessen (z. B. Prädatoren inklusive Greifvögel)
  • Offener Dialog und Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft zur Verbesserung der Niederwildbiotope
  • Etablierung einer wildökologischen Raumplanung in allen Bundesländern (Einführung von Wildruhezonen, regelmäßige Monitorings von Wildbewegungen)
  • Förderung mosaikartig verteilter, naturnaher Strukturen im Offenland
  • Verankerung von Fragen zu ökologischen Zusammenhängen, zur Erhaltung der Biodiversität und zum Naturschutz, als zentrales Element in der Jungjäger*innenausbildung und Weiterbildung [45]
  • Freiwillige Nutzung der Kriterien und Indikatoren einer nachhaltigen Jagd [46] zur Darstellung einer nachhaltigen Jagdpraxis
  • Beobachtung der Auswirkungen des Klimawandels auf die Wildtierzusammensetzung und die Entwicklungen von Wildtiererkrankungen
  • Aufgabe der Hege, keine weitere Freilassung und Zurückdrängung von nicht autochthonen Arten

  • Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässergüte in allen österreichischen natürlichen Oberflächengewässern und erheblich veränderten oder künstlichen Wasserkörpern, die nicht schon einen sehr guten ökologischen Zustand bzw. ein gutes ökologischen Potenzial aufweisen
  • Maßnahmen zur Verbesserung der Morphologie, Hydrologie und des ökologischen Zustandes der Gewässer
  • Erhöhung/Ausbau der Durchgängigkeit von Fließgewässersystemen (Beseitigung aller nicht in Betrieb befindlichen Barrieren (graue Infrastruktur) und Förderung von Investitionen in grüne und blaue Infrastruktur [47]; Sicherstellung eines nachhaltigen Geschiebe- und Schwebstoffmanagements
  • Maßnahmen zur Erreichung des günstigen Erhaltungszustandes aller wassergebundenen Arten
  • Berücksichtigung von Auensystemen in Raumplanung und Flächenwidmungsplänen; Integration der Erfordernisse des Feuchtgebiets- und Auenschutzes in die Landesentwicklungspläne
  • Ökologische Regeneration von beeinträchtigten Auenstandorten und Wiederanbindung in Hochwasserschutzprojekten (z. B. Rückverlegung von Dämmen), sowie Flächenankauf bzw. Sicherung von Flächen für den Hochwasserschutz
  • Forcierung und Förderung von Gewässer Renaturierungen (inklusive Feuchtwiesen Überschwemmungszonen am Rand von Flussläufen) in ganz Österreich (z. B. durch ÖPUL Maßnahmen)
  • Sicherstellung eines 5 m breiten Uferstreifens beidseits der Böschungskante zur Reduktion des Eintrags von Dünger und sonstigen Feststoffen in die Fließgewässer (zumindest auf allen Flächen des öffentlichen Wasserguts)
  • Sicherstellung eines Mindestabflusses mit entsprechenden Abflussmengen, Wassertiefen und Abflussdynamik in aquatischen Ökosystemen
  • Vollständige Entfernung stillgelegter Wasserkraftwerke, unter Berücksichtigung strenger ökologischer Auflagen
  • Sanierung und Optimierung bestehender KWs unter Berücksichtigung ökologischer Auflagen
  • Errichtung funktionierender Fischaufstiegs- sowie -abstiegshilfen für eine durchgängige Fischwanderung [48] (inklusive Fischschutzeinrichtungen an Wasserkraftwerken)
  • Förderung des Schutzes und Erhalt von Fischlaichplätzen
  • Anpassung der Fischbestände an naturräumliche Verhältnisse, Wiedereinbürgerung heimischer Fische, Flusskrebse und Muscheln an Flussläufen mit eingebrochenen Beständen [49]
  • Entwicklung von Konzepten und Maßnahmen für nachhaltige Fischerei [50] (z. B. fischereiliche Bewirtschaftung erfolgt nur auf Grundlage autochthoner gewässertypischer Arten; Besatzmaßnahmen nur in begründeten Fällen und unter einer Abwägung ökologischer Risiken u.a.)
  • Erarbeitung eines Kriterienkataloges für nachhaltige, fischereiliche Bewirtschaftung unter Berücksichtigung des Gewässerzustandes
  • Erarbeitung eines Lehrgangs bzw. entsprechender (digitaler) Unterlagen für Gewässerpädagogik unter Berücksichtigung der fischereilichen Nutzung[51]
  • Kontrolle der Pflanzenschutzmittelauflagen, Reduktion und Monitoring der Einträge von PSM-Wirkstoffen in Gewässern sowie die Erarbeitung eines Konzepts zu einem verbesserten Abwassermanagement
  • Ausbau der Gewässeraufbereitung: Zusätzliche Stufe zur Mikroschadstoff-Ausfällung in Kläranlagen
  • Stärkung des Problembewusstseins hinsichtlich der Entsorgung von Problemstoffen

  • Integration der Biodiversitätsziele in touristischen Entwicklungskonzepten sowie in Bundes-, Länder- als auch regionalen Tourismus-Strategien
  • Entwicklung eines gezielten Besuchermanagements innerhalb und außerhalb von Schutzgebieten in Kooperation mit den regionalen Akteur*innen [52]
  • Regions- und länderübergreifende Entwicklung abgestimmter Konzepte für einen natur-schonenden Wintertourismus gemeinsam mit regionalen Akteur*innen
  • Ausbau von Fach-/sektorenübergreifenden Netzwerken zur Stärkung der Kommunikation und für soziale Interaktion zwischen Tourismus, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Jagd, Naturschutz, Mobilität und Raumplanung, zur Integration der Biodiversitätsziele [53] (z. B. Weiterentwicklung der Tourismusverbände zu einer “Lebensraumorganisation”)
  • Erarbeitung von Informationen und Handlungsanleitungen zur Förderung der biologischen Vielfalt auf betrieblicher Ebene (Beherbergungsbetriebe, Gastronomiebetriebe, Freizeit- und Sportstätten u. a.)
  • Stärkung der Kooperation zwischen Tourismus und Naturschutz bei der Angebotsentwicklung:
    • nachhaltiges Reisen mit dem Ziel einer gesteigerten Wertschätzung für die Natur: „Natur spüren statt konsumieren“
    • nachhaltige Urlaubskonzepte, wie etwa Urlaub in der Region (Sommerfrische/Urlaub am Bauernhof/Biohotels mit UZ Tourismus /Ökologische Schaugärten „Natur im Garten“, Urlaub ohne Auto, Naturerlebnisangebote u.a.)
    • Förderung der gesellschaftlichen Akzeptanz von (Wild-)Ruhezonen unterstützt durch digitale Medien (z. B. Wege-Informationssysteme im GIS)
    • Bewusstsein für biologische Vielfalt durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit schaffen bzw. stärken: Statuserhebung, Arbeit mit verschiedenen Informationsformaten (Imageaufbau, Informationskampagnen, Geschichten erzählen („Storytelling“), soziale Medien, Infotafeln, Informationsmaterial, Führungen etc.) sowie Ansprache verschiedener Zielgruppen (touristische Angebotsträger etc.), Einbinden der Gäste in Citizen Science-Projekte [54]
    • Orientierung der Gewerblichen Tourismusförderung über die Österreichische Hotel- und Tourismusbank [55] an Nachhaltigkeitszielen; Kriterien und Indikatoren werden gemeinsam mit Biodiversitäts-Expert*innen entwickelt, Knüpfung der touristischen Förderungen an Nachhaltigkeitsziele
    • Einführung einer Biodiversitäts-Taxe (Dienstleistungs-Euro) [56], zweckgebunden zur Förderung der Biodiversität in regionalen Projekten

  • Erhöhung der Grünflächen insbesondere in urbanen Gebieten unter Berücksichtigung von brachliegenden Industrie-, Gewerbe- und Wohngebäuden sowie biodiversitätsfördernde Ausstattung bei Neuanlagen; Erhalt bestehender Grünflächen
  • Prüfung des Potenzials und Umsetzung einer biodiversitätsfördernden Umgestaltung betrieblicher Freiflächen (begrünte Flachdächer, Fassadenbegrünung, Parkplätze, Grünflächen, Vermeidung von Vogelschlag etc.)
  • Entwicklung und Anwendung eines Biodiversitäts-Checks für Unternehmen [57]
  • Durchführung von Biodiversitätsbilanzierungen für Produkte, sowie laufende Weiter-entwicklung und Anwendung der Methode
  • Kennzeichnung von nachhaltig produzierten Produkten -inklusive Biodiversitäts-Impact über ein Ampelsystem
  • Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen gegen Green Washing, z. B. durch Anwendung des GRI 304: BIODIVERSITY Standards [58]
  • Schaffung von Wettbewerbsanreizen für biodiversitätsschonend produzierte Produkte
  • Biodiversitätsfördernde Revitalisierung stillgelegter Industrieflächen (Leerstandskataster)
  • Identifizierung der Zielkonflikte/Nutzungskonflikte zwischen Gewerbe/Industrie/Handel und Naturschutz und Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen zur Gegensteuerung
  • Berechnung und Einpreisung externer Kosten für Naturschutz
  • Nutzung der Instrumente SUP und UVP für die Bewertung von Vorhaben bzw. Plänen und Programmen im Zusammenhang mit der Biodiversität; Verwendung der diesbezüglichen EU Leitfäden (Guidance on Integrating Climate Change and Biodiversity) [59]
  • Forcierter Rückbau von nicht mehr genutzten betonierten Flächen (z.B. stillgelegte Gewerbe- oder Industriebetriebe)

  • Einbeziehung der Aspekte der Biodiversität in der Ausarbeitung der integrierten Rohstoffstrategie Österreichs
  • Entwicklung von Maßnahmen zur Reduktion der Biodiversitätsbeeinträchtigung bei Rohstoffgewinnung
  • Prüfung der rechtlichen Möglichkeiten für „Naturschutz auf Zeit“ und bei vorliegender Kompatibilität mit Biodiversitätszielen eine Umsetzung entsprechender Aktivitäten
  • Schaffung von Anreizen für Unternehmen zur Umsetzung von Biodiversitätsmaßnahmen

  • Forcierung von (Lenkungs-)Maßnahmen zur Eindämmung des Verkehrsaufkommens sowie Bewusstseinsbildung zur Änderungen des Mobilitätsverhaltens [60]
  • Forcierung flächeneffizienter Infrastruktur: Reduktion der Flächeninanspruchnahme durch die Errichtung neue Straßen
  • Forcierung des öffentlichen Verkehrs, u.a. durch Ausbau des Angebotes und günstige Preisgestaltung, sowie Transfer des Gütertransports auf Schienen
  • Ausbau von spezifischer Infrastruktur zur Lebensraumvernetzung sowie Errichtung von Querungshilfen für Tiere, z. B. Grünbrücken, Durchlässe für Kleintiere und Amphibientunnel
  • Schaffung naturnaher, verkehrsbegleitender Flächen, z. B. Grünstreifen, Böschungen und Auffangbecken
  • Erhalt bestehender Grünräume und grüner Vernetzungsstrukturen insbesondere im Bereich Landes- und Gemeindeverkehrsplanung sowie der Siedlungs- bzw. Stadtentwicklung
  • Geschwindigkeitsbeschränkung auf Straßenabschnitten mit erhöhtem Wildtiervorkommen sowie Ausbau eines funktionierenden Wildwarnsystems zur Senkung des Kollisionsrisikos
  • Reduktion des Herbizideinsatzes
  • Bekämpfung invasiver Neophyten (z. B. Beifuß-Ambrosie und Japanischer Staudenknöterich) entlang von Schienen- und Verkehrswegen
  • Reduktion der Salzstreuung auf Verkehrs-, Rad- und Gehwegen [61]
  • Wellenschlagverbot in sensiblen Gewässerabschnitten

  • Bundesweite Ausarbeitung von Positiv-Listen für Windkraft anhand von ökologischen Kriterien, insbesondere unter Berücksichtigung von Vögeln und Fledermäusen
  • Bundesweite Ausweisung der Gewässerstrecken mit einem sehr guten oder guten ökologischen Zustand und aller Gewässerstrecken in Schutzgebieten, die für die weitere Wasserkraftnutzung tabu sind
  • Verminderung der durch Wasserkraftwerke bedingten Abflussschwankungen sowie ihrer Folgewirkungen auf die Gewässerbiozönosen
  • Reduzierung der Lichtverschmutzung entsprechend den Vorgaben der ÖNORM O-1052 Lichtimmissionen – Messung und Beurteilung [62] , vor allem bei Außenanlagen im öffentlichen Raum
  • Prüfung der Möglichkeiten einer Biodiversitäts-Verträglichkeits-Prüfung bei elektrizitätsrechtlichen Verfahren
  • Überprüfung von derzeit vorhandenen Kriterien zur Aufstellung von Photovoltaikanlagen, (Ausschluss von biodiversitätsrelevanten Flächen – Fokus auf graue Infrastruktur)
  • Naturschutzkriterien im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz

  • Berücksichtigung der EU Verordnung (1143/2014) in relevanten Gesetzesmaterien; Umsetzung der Maßnahmen der EU-Verordnung, insbesondere Überwachungssystem, Pfad-Aktionsplan sowie Managementmaßnahmen der weit verbreiteten Arten
  • Regelmäßige Aktualisierung zu Status und Trends gebietsfremder Arten
  • Verringerung des Anteils der, durch invasive gebietsfremde Arten, gefährdeten Arten der Roten Liste um 50 %
  • Intensivierung von Öffentlichkeitsarbeit zur Stärkung des Problembewusstseins zu Neobiota in der Bevölkerung
  • Intensivierung der invasionsökologischen Forschung, insbesondere auch zu ökonomisch und gesundheitlich relevanten gebietsfremden Arten sowie zu den Wechselwirkungen dieser Arten mit anderen Faktoren, wie Landnutzung, Eutrophierung, Klimawandel, Biodiversität u.a.
  • Reduktion der negativen Auswirkungen gebietsfremder Arten in Schutzgebieten
  • Fortführung der Plattform „Gebietsfremde invasive Arten“ zur Meinungsbildung und zum Informationsaustausch zwischen Akteuren und Stakeholdern

  • Fortsetzung der Überprüfung der Schutzgebiete hinsichtlich Repräsentativität, Kohärenz und Konnektivität und gegebenenfalls Ausweisung von weiteren Schutzgebieten auf mindestens 30 % der Landesfläche [63]
  • Ausweisung von 1 % der österreichischen Staatsfläche als rechtlich abgesicherte Prozess-Schutzgebiete (Nationalpark-Kernzone nach IUCN Kategorie II oder Wildnisgebiete nach IUCN Kategorie Ib [64])
  • Priorisierung von degradierten Lebensräumen für die Wiederherstellung (Listung)
  • Restoration von erheblichen Flächenanteilen von degradierten kohlenstoffreichen Lebensräumen, wie z. B. entwässerten Hochmooren [65]
  • Sicherung und Management aller Sonderstandorte, wie Binnendünen, Quellen, Thermalbäche, Höhlengewässer, Salzstandorte, Uferpionierstandorte und Trockenrasen
  • Sicherung und Ausweitung der Schutzgebietsbetreuungen vor Ort
  • Entwicklung und Umsetzung konkreter Managementpläne für Schutzgebiete [66] gemeinsam mit Landnutzern*innen
  • Aktives IUCN Kategorie II-gerechtes Management der österreichischen Nationalparks und der Weltnaturerbe-Gebiete
  • Sicherung und entsprechendes Management jener Lebensraumtypen, die für Bestäuber von besonderer Bedeutung sind [67]
  • Umsetzung umfangreicher Lebensraumschutz- und Artenschutzmaßnahmen für alle FFH-Schutzgüter
  • Priorisierung und Schwerpunktsetzung von weiteren Arten- und Lebensraumschutzmaßnahmen mit Fokus auf gefährdeten und Schirm-Arten
  • Stärkung der Kommunikation und des Konfliktmanagements
  • Klärung und allfällige Anpassung der Kompetenzlage im Bereich Biodiversität [68]
  • Erstellung von Managementplänen für Wildtierkorridore zur Gewährleistung einer dauerhaften Qualitätssicherung

  • Umsetzung des Nationalen Energie- und Klimaplans
  • Erhaltung, Verbesserung und Restaurierung von biodiversitätsreichen Flächen als Klimaschutzmaßnahmen (auch mit dem Ziel die C-Speicherung weiter zu steigern)
  • Einbindung von Klimaschutz (Steigerung der C-Speicherung) und Berücksichtigung von Klimawandelanpassung in Naturschutzinstrumenten (Managementpläne, Schutzziele, Strategien und Leitbilder, rechtliche Materien etc.) sowie Darstellung des Handlungsbedarfs
  • Berücksichtigung der Folgen des Klimawandels bei naturschutzfachlichen Planungen, Schutzkonzepten und Biodiversitätsleitbildern (Klimawandelanpassung)
  • Vernetzung von Schutzgebieten und Lebensräumen zur Verbesserung der Konnektivität, auch um klimainduzierte Artenwanderung zu ermöglichen (Verschiebung von Artenarealen)
  • Stärkung der Bewusstseinsbildung mit Positivbeispielen zur Nutzung von Synergien bezüglich Klimazielen und Biodiversität
  • Maximierung von Synergien zur Österreichischen Strategie zur Anpassung an den Klimawandel [69]
  • Prüfung klimapolitischer Maßnahmen in Hinblick auf deren Auswirkungen auf die Biodiversität

  • Schutz und Wiederherstellung der Natur zur Minimierung der Wahrscheinlichkeit von Pandemien wie COVID-19 (Auftreten und Ausbreitung) in Zukunft [70] nach dem Konzept „Eine Gesundheit“ [71]
  • Forcierung und Überprüfung der Umsetzung des Aktionsplans „Biodiversität und Gesundheit“ unter Berücksichtigung der vorgeschlagenen Maßnahmen [72]
  • Förderung der Gesundheit/Krankheitsprävention durch gezielte Maßnahmen mit Biodiversitäts-Vorteilen: Projekt Schulgarten, Gärtnern als Therapie etc.
  • Entwicklung von Kampagnen mit Gesundheits- und Biodiversitätsexpert*innen, zu Themen wie Green Gym, Therapiegärtnern, Gärtnern ohne Torf und Pflanzenschutzmittel, Gärtnern mit einheimischen Pflanzensorten und intelligenten Blühfolgen etc.
  • Integration der Gartenpädagogik in pädagogischen Hochschulen
  • Umstellung auf regionale, biologisch hergestellte Lebensmittel in Kantinen und Schulbuffets zur Förderung von Gesundheit und Biodiversität

  • Verstärkte nationale Abstimmung zur Forcierung des Biodiversitätsschutzes auf internationaler Ebene: WTO/GATT, WHO, FAO, ITPGR, CBD, Cartagena Protokoll, Nagoya Protokoll, Klimakonvention, Wüstenkonvention, Alpenkonvention, Washingtoner Artenschutzübereinkommen, Ramsar Konvention, Bonner Konvention, Welterbe Konvention, Umweltprogramm der UN, Weltklimarat, IPBES etc.
  • Entwicklung einer Biodiversitätsbewertung für Produkte aus den Ländern des Südens sowie Integration in das bestehende Bewertungsschema der Entwicklungszusammenarbeit
  • Etablierung einer effektiven Kontrolle von entwickelten Zertifizierungssystemen (Produkt & Projekt)
  • Entwicklung eines Biodiversitäts-Checks für öffentliche Subventionen/Mittel/Förderungen, die in entwicklungsfördernde Projekte fließen, Evaluierung dieser Subventionen sowie Abbau von Subventionen, die der biologischen Vielfalt im internationalen Kontext schaden
  • Umsetzung des „Access und Benefit-Sharing Regimes/ABS“ gemäß Nagoya Protokoll; ABS-Informationsinitiative zur Verbesserung des Wissens in der Öffentlichkeit
  • Verstärkte Förderung von Projekten und Partnerschaften zum Erhalt und zur Wiederherstellung von Biodiversität in den Ländern des Südens und/oder zur nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt
  • Herstellung einer Transparenz bei biodiversitätsschädigenden, hohe Ressourcen beanspruchenden Prozessen globaler Wertschöpfungsketten für den Endverbraucher
  • Bewusstseinsbildung über die Auswirkung des Konsums von Produkten, die in den Ländern des Südens in intensiv bewirtschafteten Monokulturen produziert werden (z. B. Palmöl), auf die biologische Vielfalt und auf die Armut der Bevölkerung vor Ort
  • Durchführung von Projekten zum Kapazitätsaufbau in Entwicklungsländern zur Anwendung und zum Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen (Risikoabschätzung, Sozio-ökonomische Auswirkungen, Nachweis und Monitoring); Stärkung des Bewusstseins für und des Zugangs zu Alternativen

V. Schaffung der Rahmenbedingungen zur Umsetzung der Maßnahmen – „Enabling Environment

Forschung:

  • Erhöhung der Investitionen in Forschung, Innovationen und Wissensaustausch unter Berücksichtigung der neuen Agenda für Kompetenz und der Forschungsagenda für biologische Vielfalt (Programm Horizont Europa [73])
  • Forcierte Umsetzung der Biodiversitätsverpflichtungen durch Verknüpfung von wissenschaftlicher Evidenz und Politik [74]
  • Erfassung von Daten zur genetischen Vielfalt sowie zu ausgewählten Arten und Lebensräumen; Identifikation und Schließung von Datenlücken
  • Forschung zur Biologie und Ökologie von Arten und Lebensräumen sowie zur Taxonomie, Nutzung der Möglichkeiten zur Artenbestimmung mittels e-DNA [75]
  • Aktualisierung der Roten Listen der Wirbeltiere, Tagfalter, Heuschrecken und Biotoptypen, sowie Erstellung einer Roten Liste Wildbienen und Hummeln
  • Aktualisierung des Inventars der Endemiten in Österreich
  • Forschung zu Zusammenhängen zwischen Klima, Landnutzung, Biodiversität, Ökosystemleistungen und Schutzmaßnahmen (inkl. Überprüfung von Biodiversitätseffekten von Maßnahmen zur Klimawandelanpassung und Aufgabe von Bewirtschaftung)
  • Forschung über die ökologischen Auswirkungen von Pestiziden, Vernetzung der Zulassungsbestimmungen sowie verstärkte Information der Öffentlichkeit über Auswirkungen des Einsatzes von Pestiziden im jeweiligen Einsatzbereich [76]
  • Forschung zu Alternativen zu chemischen Pflanzenschutzmitteln [77]
  • Forschungsprojekte zu Waldbewirtschaftung und Biodiversität, zu Zusammenhängen genetischer Diversität und Arten- sowie Strukturvielfalt
  • Intensivierung der invasionsökologischen Forschung, insbesondere auch zu ökonomisch und gesundheitlich relevanten gebietsfremden Arten sowie zu den Wechselwirkungen dieser Arten mit anderen Faktoren, wie Landnutzung, Eutrophierung, Klimawandel [78]
  • Identifizierung von Konfliktarten und Entwicklung von abgestimmten und von den Stakeholdern akzeptierten (Erhaltungs-)Maßnahmen
  • Stärkung der taxonomischen Kenntnisse
  • Weiterentwicklung und weitere Anwendung der Methoden zur Bewertung von Ökosystemleistungen
  • Forschung zu Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität (Verschiebung von Artenarealen, Auswirkungen auf Organismengruppen, Monitoring und Frühwarnsysteme etc.)

Monitoring:

´
  • Ausweitung des Monitorings gemäß NEC-Directive (2016/2284) auf weitere Lebensraumtypen (Moore, Magerwiesen, alpine Wiesen etc.)
  • Entwicklung eines gesamtösterreichischen Biodiversitäts-Monitoringprogramms (ÖBM): Fortführung, Erweiterung und Einbindung bestehender Programme sowie Einbeziehung von Citizen Science-Projekten (inklusive Qualitätskontrolle), Entwicklung von Methoden zur Integration dieser Daten
  • Regelmäßiges Monitoring und Evaluierung von Managementplänen und ihrer Umsetzung, inklusive anschließender Veröffentlichung der Ergebnisse [79]
  • Regelmäßige Veröffentlichung von Monitoring-Berichten zu Status und Trends der Biodiversität in Österreich

  • Durchführung einer bundesweiten sektorenübergreifenden Kampagne zur Bedeutung der Biodiversität und intakter Ökosystemleistungen für den Menschen
  • Häufigere Beiträge in Printmedien und sozialen Medien, um das Wissen und Verständnis der Bürger*innen über Biodiversität und die vielfältigen Ökosystemleistungen zu steigern und diesbezügliche Werte bewusst zu machen
  • Wissenstransfers von Forschungs- und Projektergebnissen zur Information interessierter Bürger*Innen sowie Entscheidungsträger*Innen aus Wirtschaft und Politik
  • Überprüfung von Werbeaussagen, welche eine positive Biodiversitätsauswirkung suggerieren (Green Claims), Unterbindung von Green Washing [80]
  • Erhöhte Investitionen zur Erweiterung des Angebots des ORF hinsichtlich seines Bildungsauftrages, z. B. durch zweckgebundenen GIS-Beitrag: (1) Bewusstseinsbildung, (2) positive Narration, (3) positive Handlungsmöglichkeiten aufzeigen [81]
  • Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit bei der Umsetzung von biodiversitätsrelevanten Maßnahmen vor Ort

Bildung:

  • Identifizierung von Bildungseinrichtungen für Einrichtung von Angeboten zum Kompetenzaufbau für Biodiversitätsthemen in der Ausbildung und Umschulung von Arbeitskräften [82] (z. B. Fachschulen, Lehrlingsausbildung)
  • Verankerung von Biodiversitätsthemen in der Ausbildung von Pädagog*innen (inkl. Kindergärten), Naturvermittler*innen etc. sowie in relevanten Lehrplänen von Schulen, Fachhochschulen, Universitäten etc. [83]
  • Ausweitung des Ausbildungsangebotes an Universitäten im Bereich der Artenkenntnisse
  • Forcierung des Wissenstransfers zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, z. B. durch populärwissenschaftliche Beiträge in Zeitschriften, Radio- und Fernsehsendungen, soziale Medien etc.

Bewusstseinsbildung:

  • Schaffung eines österreichweiten Netzes an Multiplikatoren, um Biodiversitätsthemen auf lokaler Ebene bestmöglich zu vermitteln, z. B. im Rahmen von Exkursionen, Beratungen, Workshops
  • Förderung sektorenübergreifender Plattformen, z. B. Biodiversität und Gesundheit [84]
  • Zielgruppenorientierter Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit, z. B. im Rahmen von Initiativen, Citizen Science-Projekten, Wettbewerben und Kampagnen
  • Aufzeigen der Auswirkungen des Konsumverhaltens, der Ernährungsgewohnheiten und des Klimawandels auf die lokale und globale Biodiversität, z. B. im Rahmen von Vorträgen für interessierte Personen oder durch Veröffentlichungen, die einer breiten Bevölkerung zugänglich sind
  • Bewusstseinsbildung durch Medienkampagnen zu „naturbelassenen“ Grünflächen im öffentlichen Raum (Gemeinden, Städte und öffentliche Einrichtungen)
  • Verstärktes Angebot von Informationen und kostenlosen Beratungen in allen Bundesländern zur Schaffung von naturnahen Lebensräumen in Hausgärten
  • Verstärkte Förderung von Aktivitäten für junge Menschen, z. B. Erlebnis- und Projektwochen, Spiele, Wettbewerbe, Sommerunis etc.
  • Verstärkte Aufbereitung zielgruppenspezifischer Informationsmaterialien für Entscheidungsträger*Innen, Öffentlichkeit sowie für die Aus- und Weiterbildung einschlägiger Berufsgruppen
  • Verstärkte Verbreitung und Bewerbung von Informationsmaterialien zur biologischen Vielfalt insbesondere bei schulischen, außerschulischen Bildungseinrichtungen

  • Berücksichtigung von Biodiversität und Ökosystemleistungen im Finanzsystemen (natural capital accounting)
  • Entwicklung von Finanzprodukten mit Mehrwert für Wirtschaft und Umwelt (bspw. Impact Investment, Green Bonds)
  • Schaffung von Anreizen für Finanzprodukte, welche Biodiversitätsziele berücksichtigen
  • Entwicklung und Integration eines geeigneten und standardisierten Rating Systems, um den Biodiversitäts-Impact von Unternehmen, Organisationen und Produktionsketten abzubilden (z. B. adaptiertes ESG-Rating)
  • Integration ökologischer und sozialer Interessen in Geschäftsstrategien von Unternehmen (Initiative für nachhaltige Corporate-Governance, die 2021 von der Kommission vorgelegt wird) [85]
  • Anpassung der Non-Financial Reporting Directive (NFRD) 2014/95: Inkludierung von Berichtslegungspflicht von Biodiversitäts-Impacts
  • Verständnis fördern: Vertiefung des komplexen Faktenwissens zur Green Finance sowohl bei Finanzmarktakteuren und Unternehmern der Realwirtschaft als auch innerhalb der Biodiversität Community

Generell ist für die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen eine Erhöhung der Ressourcen notwendig. Folgende Programme/Budgets wären dafür anzusprechen:

  • EU-Mittel, Strukturfonds, Agrar-Umweltprogramm, ELER, Fischereifonds, LIFE, HORIZON 2020 bzw. Folgeprogramme
  • Biodiversitätsfonds der Bundesregierung [86]
  • Budgets der Länder und Gemeinden
  • Mittel aus der Umgestaltung von biodiversitätsschädigenden Anreizen und Subventionen
  • Verstärkte Einbindung des privaten Sektors, z. B. Biodiversitätsabgabe im Tourismus

Neben der Finanzierung von Schutzmaßnahmen und Maßnahmen für eine nachhaltige und damit biodiversitätsfördernde Nutzung ist auch die Finanzierung zur Verbesserung der personellen Ausstattung, z. B. bei Naturschutzbehörden, Schutzgebietsverwaltung und -betreuung, in der Bildung oder für Forschung und Monitoring erforderlich.

5. Ihre Kommentare

Die öffentliche Konsultation zu möglichen Elementen der Biodiversitäts-Strategie 2030 wurde am 27. September 2020 geschlossen.

Vielen Dank für die zahlreichen Beiträge, Vorschläge und Kommentare zu möglichen Elementen der Biodiversitäts-Strategie 2030. Die genaue Analyse der Kommentare erfolgt in den nächsten Wochen und wird für die Entwicklung eines ersten Entwurfs der Biodiversitäts-Strategie Österreich 2030 herangezogen. Die Biodiversitäts-Strategie wird in der beim BMK eingerichteten Biodiversitätskommission mit Vertretern aller Sektoren/Fachbereiche diskutiert.